Aus "Arsenal bleibt" wird das "Cineastisches Netzwerk Tübingen"


Hier geht's zur neuen Homepage des Vereins:

www.cine-tuebingen.de

Aktuelles


Newsletter No. 4


Tübingen, 23. September 2020


Liebe Freundinnen und Freunde des Tübinger Programmkinos,


die ordentliche Mitgliederversammlung am vergangenen Samstag hat einige wichtige Veränderungen für den Verein mit sich gebracht. Im Saal des Hirsch, einst selbst Vorführraum des gleichnamigen Tübinger Lichtspielhauses, war rund ein Drittel des Vereins Arsenal bleibt zusammengekommen, um die Weichen für die kommenden Aufgaben beim Einsatz für die hiesige Programmkinolandschaft neu zu stellen. Für die freundliche Unterstützung und die Bereitstellung der Räumlichkeiten möchten wir dem Hirsch e. V. an dieser Stelle übrigens herzlich danken.


Um bei künftigen Projekten und Aufgaben als eigenständiger und unabhängiger Akteur auftreten zu können, haben wir uns in den zurückliegenden Sommerwochen an eine Überarbeitung unserer Satzung und der Neugestaltung unseres Vereinsnamens gemacht. Eine Namensänderung war uns bereits zuvor von unterschiedlicher Seite, allen voran der Leitung der Arsenal-Kinobetriebe selbst, nahegelegt worden. Auch viele Tübinger Kinointeressierte, sowie Vertreter*innen von Filmfestivals und Kommune sprachen uns in dieser Sache an. Gerade mit Blick auf die kommenden Entwicklungen rund um das Arsenal und einer Ausweitung unseres Aufgabenfeldes ist eine Umbenennung somit sinnvoll. Mit einer eindeutigen Mehrheit hat sich die Mitgliederversammlung für den neuen Namen Cineastisches Netzwerk Tübingen – kurz: CINE entschieden.


Auch an der Satzung haben wir einige Anpassungen vorgenommen: Dem Kino Arsenal wird darin als zentraler Bestandteil der Tübinger Programmkinolandschaft weiterhin Unterstützung zugesichert. Jedoch liegt der Fokus künftig nicht allein auf dem einen Kino, sondern wir setzen uns allgemein stärker für eine vielfältige und lebendige  Kinokultur als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge in Tübingen und der Region ein. Die Entscheidung des Plenums in diesem Punkt fiel einstimmig aus.


Teil dieses Engagements ist es auch, die Belange des Kinos und die Bedürfnisse seines Publikums in die Öffentlichkeit zu tragen. Aus diesem Grunde werden wir uns in einer Podiumsdiskussion eingehender mit der lokalen Kinolandschaft auseinandersetzten. Die Veranstaltung wird am 12. Oktober im Casino am Neckar stattfinden. Auch das Podium ist in Teilen schon besetzt – Daniela Harsch, Kulturbürgermeisterin der Stadt Tübingen und Susanne Marschall von den Medienwissenschaften der Universität haben ihre Teilnahme bereits zugesichert. Hinzukommen sollen weitere Akteurinnen und Akteuren aus der lokalen und regionalen Kinoszene. Auch das Arsenal als traditionsreiches Programmkino und Säule der lokalen Kinokultur sowie der Filmtage e. V. und weitere Kinobetreiber sollen vertreten sein. Eine offizielle Einladung mit dem genauen Programm werden wir in den nächsten Wochen versenden und auf unsere neuen Homepage www.cine-tuebingen.de (zur Zeit noch im Aufbau) sowie auf unseren Social-Media-Kanälen veröffentlichen.


Zwei weitere vereinsinterne Themen, über die auf der Mitgliederversammlung am Samstagnachmittag entschieden wurde, sind die Festsetzung der Mitgliedsbeiträge und die Wahl einer Kassenwartin. Da sich der Einsatz im Rahmen der Vereinsarbeit mittlerweile nicht mehr nur auf einen rein zeitlichen Aufwand beschränkt, sondern wir immer öfter auch finanzielle Mittel aufwenden müssen (Veranstaltungen, Kosten für Homepage, etc.), sind wir künftig  auf eine Vereinskasse angewiesen. Einstimmig bestätigte das Plenum Angelika Fiege als Verantwortliche für deren Verwaltung.


Wir werden also in naher Zukunft einen Mitgliederbeitrag erheben. Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht und unter den „Aktiven“ darüber bereits vor der MV immer wieder nach einer möglichst allgemeinverträglichen Lösung gesucht. Wichtig war uns dabei, dass der Zugang zum Verein auch für Geringverdienende, wie Studierende oder Rentner*innen, möglich bleibt und die Belastungen durch ein gestaffeltes Beitragsmodell solidarisch verteilt werden. Nach kurzer Diskussion unter den Mitgliederinnen und Mitgliedern wurde schließlich folgendes Modell verabschiedet:

  • 25 Euro/Jahr als regulärer Mitgliedsbeitrag
  • 15 Euro/Jahr als ermäßigter Mitgliedsbeitrag für Menschen mit geringem Einkommen (Schüler*innen, Studierende,  Auszubildende, Erwerbslose, Rentner*innen, sowie Menschen mit Schwerbehindertenausweis und KreisBonusCard-Inhaber*innen)
  • 40 Euro/Jahr für Paare und Familien sowie Fördermitglieder.

Darüber hinaus wird es jederzeit möglich sein, den Verein durch höhere Mitgliedsbeiträge oder durch Spenden finanziell zu unterstützen.


Euch allen vielen Dank für eure Unterstützung und das Interesse am Kino! Besonderer Dank an die Mitglieder, die am Samstagnachmittag mit ihrer Stimme die Entscheidungsfindung möglich gemacht haben.


Für Fragen, Anregungen und Kritik stehen wir natürlich wie immer gerne zur Verfügung.


Liebe Grüße, eine schöne Woche und bis bald,


euer CINE



Newsletter No. 3


Tübingen, 17. Juli 2020


Liebe Freundinnen und Freunde des Tübinger Programmkinos,


seit dem vergangenen Rundbrief ist wieder einige Zeit ins Land gegangen und auch in den zurückliegenden drei Wochen hat sich wieder allerhand getan. Die Situation für das Kino Arsenal bleibt leider weiter angespannt; sein Weiterbestehen hängt immer noch am seidenen Faden.

Das Landgericht Tübingen entschied bezüglich der vor vier Wochen verhandelten Räumungsklage am 10. Juli zugunsten der Erbengemeinschaft, die die Klage angestrengt hatte, und der neuen Eigner des Gebäudes, die sich ihr angeschlossen hatten (Das Tagblatt berichtete). Die Betreiber des Arsenals haben nun innerhalb eines Monates Gelegenheit, Berufung einzulegen. Sie hoffen aber weiterhin auf eine außergerichtliche Einigung mit den Eigentümern.


Vergangen Dienstag (14.07.) trafen sich Betreiber und Vermieter*in im Beisein von Vertreterinnen des Tübinger Kulturbetriebs (Bürgermeisterin für Soziales, Ordnung und Kultur Dr. Daniela Harsch und Leiterin des Fachbereichs Kunst und Kultur Dagmar Waizenegger), Gemeinderatsmitgliedern und Delegierten des Vereins „Arsenal bleibt“ im Rathaus der Stadt. Ziel des Gespräches war es, die mehr als festgefahrene Kommunikation zwischen den Seehawers und Stefan Paul und Dieter Betz wieder in Bewegung zu bringen. Wir hatten gehofft, in dem Gespräch würden wir auch gemeinsam über ein tragfähiges Alternativkonzept für den Betrieb eines Programmkinos in Tübingen nachdenken können. Bereits zuvor hatte sich der AK Konzept mit drei möglichen Modellen für einen Fortbestand des Kinos beschäftigt. Während die Idee einer gGmbH von der Stadt nicht mitgetragen werden könnte, scheint uns der Ansatz eines genossenschaftlich organisierten Kinos weiterhin vielversprechend. Allerdings stehen wir auch hier erst am Anfang der Überlegungen und können an dieser Stelle nicht mehr Auskünfte geben. Ohnehin soll nun zuerst die Kinoleitung ihrerseits bis Ende des Monats der Stadt ein Wirtschaftskonzept vorlegen; sofern dies nicht reicht, um mit dem Eigentümer zu einer Einigung über die Fortführung des Kinobetriebes zu gelangen, muss  wohl der Verein die Stadt mit einem zukunftsfähigen Modell für die Zukunft des Programmkinos gewinnen. (Hier eine Stellungnahme von Frau Harsch zum Gespräch.)


Um unser Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen und weiter ein Bewusstsein für die prekäre Lage des Kinos zu schaffen, wurden vom Verein zudem diverse Gespräche mit den Medien geführt. Ein ausgiebiger Artikel im Schwäbischen Tagblatt, sowie ein Radiointerview des SWR zeugen von diesem Bemühen. Danken möchten wir an dieser Stelle außerdem Sepp Buchegger für seine im Tagblatt (4.7.) erschienene Karikatur, die die Arbeit des Vereines nach unserer Meinung treffend und mit Humor auf den Punkt gebracht hat. 


Dennoch fehlen für die anstehenden Aufgaben engagierte Unterstützerinnen und Unterstützer. Wir appellieren deshalb noch einmal eindringlich an alle, die sich auch in Zukunft ein anspruchsvolles und vielseitiges Kinoprogramm und cineastische Qualität in dieser Kommune wünschen, sich mit uns in Verbindung zu setzten und in den AK miteinzubringen. 

Unser nächstes offenes Vereinstreffen, zu dem alle herzlich willkommen sind, ist für Dienstag, den 28. Juli um 19 Uhr im Café Haag geplant. 

Natürlich sind wir auch weiterhin für Anregungen, Fragen und Kritik offen und freuen uns über die Beteiligung via Facebook, Instagram und Twitter. – teilt unsere Beiträge, empfehlt uns weiter und gebt uns Euer Feedback! Schreiben Sie uns auch, wenn Sie dem Verein beitreten möchten!


Wie immer wünschen wir Ihnen/Euch ein schönes Wochenende,


Verein „Arsenal bleibt“

Newsletter No. 2


Tübingen, 27. Juni 2020


Liebe Freundinnen und Freunde des Tübinger Programmkinos,


es ist bereits mehr als eine Woche her, seit wir Sie im letzten Newsletter über den aktuellen Stand informiert hatten. Seitdem hat sich einiges getan, worüber wir Ihnen im Folgenden berichten wollen.


Über das Gespräch mit dem Hauseigentümer hatten wir Sie ja schon in Kenntnis gesetzt. Vor einer Woche (Freitag, 19.06.) stand zunächst die Sitzung vor dem Amtsgericht Tübingen an, in der über die Räumung des Arsenals verhandelt worden ist. Eine Einigung in letzter Sekunde und ein außergerichtlicher Ausgang der Streitigkeiten zwischen Kino und Vermieter kam wie erwartet nicht zustande. Das Urteil wird am 10. Juli verkündet (das Tagblatt berichtete). Kinobetreiber Stefan Paul hat bereits angekündigt, falls nötig, in Berufung zu gehen.


Zwei Tage zuvor, am 17.06., fand unser erstes offenes Vereinstreffen im Café Atrium statt. Für das rege Interesse und die große Bereitschaft, sich mit einzubringen, danken wir Ihnen und Euch sehr! Es zeigt uns, wie wichtig der Erhalt des Programmkinos in Tübingen ist und spornt uns (und hoffentlich auch Sie) an, für diese Sache weiter Engagement zu zeigen.

Beim Treffen haben wir begonnen, unterschiedliche Teilbereiche unserer Bemühungen in Arbeitskreise zu verlagern und somit "Fachzirkel" für die einzelnen Punkte, die nun in Angriff genommen werden, einzurichten. So gibt es u.a. einen Arbeitskreis für die Öffentlichkeitsarbeit, für den Austausch mit Gremien, Gemeinderat und Stadtverwaltung und für die Schaffung eines Kultur-Netzwerks.

Damit diese Arbeitskreise ihre Ziele erreichen können, möchten wir alle Vereinsmitglieder herzlich einladen, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse einfließen zu lassen und sich an den Arbeitskreisen aktiv zu beteiligen.


Vergangenen Dienstag kamen wir im Atelier mit Stefan Paul, Dieter Betz und Hanna Szczepkowska von den Arsenal Kinobetrieben zusammen. Dieses Treffen fiel aus unserer Sicht sehr positiv aus. Das öffentlichkeitswirksame Auftreten und die Bemühungen um einen breiten Diskurs unter den Tübinger Bürgerinnen und Bürgern, den der Verein "Arsenal bleibt" angeregt hatte, wurden von der Kinoleitung ausdrücklich gelobt. Auch von Seiten des Arsenals wird zur Zeit fieberhaft an einem tragfähigen Konzept zum Erhalt des Kinobetriebes gearbeitet. Stefan Paul sicherte hierbei zu, uns über die Fortschritte auf dem Laufenden zu halten und mit dem Verein zusammenzuarbeiten. Welche Form künftig für einen Weiterbetrieb in Frage kommt und wie ein Strukturkonzept aussehen kann, darüber war allerdings noch keine endgültige Lösung in Erfahrung zu bringen. Es wurde beschlossen, die Kommunikation auszubauen und wöchentlich im Gespräch zu bleiben.

Auch wir als Verein befassen uns mit dieser Frage. Um uns über ein tragfähiges Konzept für den künftigen Betrieb des Arsenals zu informieren, haben wir zudem diverse kommunal und genossenschaftlich organisierte Filmtheater kontaktiert. Ziel ist es, uns mit ihnen über ihre Erfahrungen beim Betrieb und bei der konzeptionellen Umsetzung eines genossenschaftlichen oder kommunalen Kinos auszutauschen. Das erste Treffen dieser Art fand bereits vorgestern statt:

Andreas Vogt, der Geschäftsführer des Reutlinger Programmkinos Kamino, berichtete uns über seine Erfahrungen bei der Gründung und beim Betrieb eines genossenschaftlichen Kinos. Carsten Schuffert (Bewegte Bilder, Organisator des Sommernachtskinos und Autokinos) steuerte Informationen zur Tübinger Kinolandschaft und zu technischen Fragen bei. Die Idee eines genossenschaftlich organisierten Kinos ist ein Ansatz, den wir aktuell weiterverfolgen. Weitere Gespräche werden stattfinden.

Dabei wurde auch deutlich, wie wichtig die Einbindung der Stadt Tübingen in unser Vorhaben ist. Diverse Stellen der Stadtverwaltung und des Tübinger Kulturbetriebes wurden bereits im Vorfeld des Treffens kontaktiert; Gesprächskreise sind in Planung.


Was die Eintragung des Vereins angeht, stecken wir immer noch in den bürokratischen Mühlen fest, die sich von Amts wegen damit beschäftigen. Leider können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine genaueren Angaben dazu machen. Sobald jedoch Bewegung in diese Sache kommt, geben wir Ihnen die entsprechenden Infos zügig weiter.


Das nächste offene Vereinstreffen ist für kommende Woche geplant. Hierzu wollen wir Sie und Euch wieder herzlich einladen. Das Treffen soll am Mittwoch um 19:30 Uhr im Café HAAG stattfinden.


Vielen Dank für Ihre und Eure Unterstützung! Bitte tragen Sie unser aller Anliegen wie bisher fleißig an Freunde, Bekannte und Kinobegeisterte weiter und teilen Sie unsere Beiträge.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik zögern Sie bitte nicht und schreiben Sie uns unter arsenalbleibt@web.de, über die Social-Media-Kanäle oder sprechen Sie uns im Plenum an!


Wir wünschen ein schönes Wochenende,

bis bald!


Verein "Arsenal bleibt"

Newsletter No. 1


Tübingen, 16. Juni 2020


Liebe Tübinger Cineastinnen und Cineasten,


herzlichen Dank für Ihr Interesse an der Zukunft des Arsenals!


Der Verein „Arsenal bleibt“ ist gerade einmal eine Woche alt und zählt bereits 40 Mitglieder. Wir arbeiten momentan daran, den Verein als gemeinnützigen Verein eintragen zu lassen, die Mühlen der Bürokratie mahlen jedoch leider langsam, sodass es möglicherweise noch etwas länger dauert, bis wir ein „e. V.“ sind.


Wir konnten in den letzten Tagen das Ziel unseres Vereins genauer definieren. Während unser anfängliches Ziel darin bestand, die Öffentlichkeit zu informieren und für die schwierige Situation zu sensibilisieren, ist zuletzt deutlich geworden, dass wir vor allem als Vermittler zwischen dem Hauseigentümer, den Kinobetreiber, aber auch der Stadt und den Kino-Fans fungieren. 

Ein wichtiger Schritt für uns war dabei ein Gespräch mit dem Hauseigentümer Axel Seehawer, der signalisiert hat, dass er das Kino gern im Haus belassen will, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Da ist zum einen der nachvollziehbare finanzielle Aspekt, zum anderen aber ein fehlendes Konzept für das Kino und eine festgefahrene Verhandlungssituation zwischen ihm und dem Betreiber Stefan Paul. 

Um die Entwicklung des Konzepts bemüht sich der Verein. Im Moment sondieren wir, ob ein Kommunales Kino eine Lösung sein könnte und wie sich der Verein aktiv an dieser Lösung beteiligen kann.


Unser nächstes Treffen findet morgen, Mittwoch, den 17. Juni um 19 Uhr im Café Atrium (Haaggasse 10) statt. Jeder, der sich aktiv einbringen möchte, ist herzlich eingeladen!


Wir haben inzwischen eine Homepage, auf der wir Sie über aktuelle Entwicklungen informieren. Auf der Seite sammeln wir auch Bilder, Videos und Texte, die verdeutlichen, welchen wichtigen Platz das Arsenal in der Tübinger Kulturlandschaft hat. Wenn Sie dazu beitragen wollen, schreiben Sie uns an arsenalbleibt@web.de!

Nicht nur mit einer eigenen Homepage, sondern auch in den sozialen Netzwerken sind wir unterwegs und erfreuen uns insbesondere in der facebook-Gruppe „Arsenal bleibt“ großer Resonanz.


Wir freuen uns weiterhin über jeden weiteren Arsenal-Fan, den wir erreichen; zögern Sie also nicht, auch diese Mail weiterzuleiten oder unsere Homepage weiterzuempfehlen.


Mit den besten Grüßen,

Verein „Arsenal bleibt“

„Dem Arsenal droht das Aus“


Tübingen, 13. Juni 2020


„Schon wieder?“, fragt man sich in der Stadt. Was ist denn nun das Problem? Haus, Asbest, Corona, Struktur, Konzept, Wille oder einfach nur Geld?

 .

Der Verein „Arsenal bleibt“ kämpft weiter für ein Netzwerk der Transparenz. Nur gemeinsam, mit allen Interessensgruppen und Sympathisant*innen, ist der verzwickten Arsenal-Situation zu begegnen, um die Kulturlandschaft Tübingens cineastisch zu sichern und auszubauen.


Dank an das Tagblatt-Archiv, Dorothee Hermann (Autorin) und Manfred Below (Bild) für die freundliche Unterstützung und kostenlose Bereitstellung des Materials.

Arsenal Adieu? 

Wird Tübingens Programmkino zum Aufgeben gezwungen?

Tübingen, 11. Juni 2020


Liebe Tübinger Kinofreundinnen und Kinofreunde,


wer in den letzten Tagen in der Tübinger Innenstadt unterwegs war, dem sind vielleicht Plakate aufgefallen, die nach der Zukunft des Arsenals fragen: „HNO statt Kino?“ „Quo vadis, Arse?“


Wir wissen zwar nicht, wer hinter diesen Plakaten steht; aber wir stellen die gleiche Frage: Wie geht es weiter mit dem Arsenal? Fakt ist: Es sieht im Moment nicht gut aus für das älteste Programmkino Baden-Württembergs. Die letzte Vorstellung liegt drei Monate zurück. Und während im Atelier ab heute wieder Filme über die Leinwand flimmern, hat das Arsenal mit einer Ungewissheit zu kämpfen, die nicht durch Corona, sondern vor allem durch den Verkauf des Hauses im vergangenen Jahr bedingt ist.


Deshalb haben wir uns zum Verein „Arsenal bleibt“ zusammengeschlossen, der das Arsenal unterstützen möchte. Wir wollen in erster Linie Transparenz schaffen und möglichst viele Menschen, denen das Arsenal am Herzen liegt, erreichen und über die aktuelle Situation informieren. 

Anfang der Woche haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, was wir tun können. Ein Ergebnis ist dieser offene Brief, mit dem wir Sie auf die Situation des Arsenals aufmerksam machen. Gleichzeitig möchten wir Sie ermuntern, einen Leserbrief an das Tagblatt oder einen offenen Brief an Lokalpolitikerinnen und Lokalpolitiker zu verfassen, um das öffentliche Bewusstsein für die aktuelle Lage zu stärken.

Zögern Sie bitte auch nicht, dieses Schreiben weiterzuleiten! Wenn Sie uns – egal auf welche Weise – unterstützen, dem Verein „Arsenal bleibt“ beitreten oder einfach nur in den Mail-Verteiler aufgenommen werden wollen, schreiben Sie gern an arsenalbleibt@web.de! So können wir Sie über Entwicklungen oder weitere geplante Aktionen auf dem Laufenden halten.


Für alle, die mehr über die aktuelle Lage des Arsenal erfahren möchten, haben wir am Ende dieses Schreibens zusammengefasst, was wir wissen.


Wir hoffen, uns bald im Arsenal wiederzusehen!


Lisa Neumann

Iacopo Feldtkeller

Benedikt Reder

Udo Renner

Heiko Heil

Hannah Morris

Nathalie Skrzipczyk

Steffen Dittmar




Was wir über die aktuelle Lage des Kino Arsenal wissen:


In den vergangenen Monaten war die Zukunft des Arsenals immer wieder Thema. Die damaligen Eigentümer, eine Erbengemeinschaft, wollten das Haus verkaufen. Mehr als 2000 Menschen forderten die Stadt und die GWG in einer Petition auf, die Kinoetage zu erwerben. Doch das Projekt scheiterte; es hätte den finanziellen Rahmen der kommunale Wohnungsbaugesellschaft gesprengt.

Trotzdem konnte das Tübinger Kinopublikum im Herbst vergangenen Jahres (vorerst) erleichtert aufatmen: „Das Kino kann weitermachen“, titelte das Tagblatt am 01.10.2019. Das Arsenal-Gebäude sei an „kulturinteressierte Tübinger“ verkauft. „Sie wollen den Kinobetrieb im Haus erhalten,“ hieß es weiter. Julia und Axel Seehawer, die neuen Eigentümer, renovieren das Haus aktuell in Eigenregie. 

In einem Tagblatt-Artikel vom 31.01. wurde jedoch deutlich, dass das Arsenal eben nicht einfach weitermachen kann wie bisher. Stefan Paul, der Betreiber des Kinos hätte sich einen Mietvertrag mit einer Laufzeit von mindestens zehn Jahren gewünscht; ein Drei-Jahres-Vertrag wurde ihm angeboten. In den drei Jahren sollte ein zukunftsfähiges Konzept entwickelt werden.

Dann kam das vorläufige Aus durch Corona. Am 16. März lief zum letzten Mal ein Film auf der Leinwand am Stadtgraben. Die folgende Zwangspause nutzten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Renovierungsarbeiten in Bar und Kino. Während das Café Haag schon zu Pfingsten wieder öffnete, scheint das Arsenal noch etwas Zeit zu brauchen.

Und nun kommen plötzlich Gerüchte auf, es sei endgültig vorbei mit dem Arsenal. „Good Bye Arse?“ und „HNO statt Kino?“ ist auf den anonymen Plakaten zu lesen, die in der Stadt verteilt sind. Soll das Arsenal wirklich Platz für eine Arztpraxis machen? 

Dass die neuen Eigentümer vorhaben, eine HNO-Praxis im Arsenal-Gebäude einzurichten, war in beiden oben zitierten Tagblatt-Artikeln zu lesen. Im Januar hieß es, dass diese Praxis im ersten Stock einziehen soll, sodass das Kino bleiben kann. Doch dafür wäre der Einbau eines Aufzugs nötig gewesen, was wiederum strengere Brandschutzauflagen mit sich gebracht hätte. Offensichtlich war diese Variante den Eigentümern doch zu kostspielig. Jedenfalls werden beide Etagen nun zu Wohnungen umgebaut, die zukünftig an Studierende vermietet werden – und wenn die Praxis wirklich in das Haus einzieht, bleibt also nur das Erdgeschoss, in dem sich bisher das Kino befindet.

Natürlich ist die Nutzung dieser Etage in erster Linie die Entscheidung der Eigentümer. Eine vertraglich festgelegte Nutzungsvereinbarung scheint es nicht zu geben. Wenn es der Wunsch der Eigentümer ist, Praxisräume an der Stelle des Kinos einzurichten, ist dem aus rechtlicher Sicht nichts entgegenzusetzen. Zum anderen gibt es von Seiten der Tübinger Bürgerinnen und Bürger ein ernstzunehmendes Interesse am Erhalt des traditionsreichen Kinos; das hat die Petition im vergangenen Jahr gezeigt. Auch den vorherigen Eigentümern war „das Schicksal des Kino Arsenal keineswegs gleichgültig“ (s. Tagblatt-Artikel vom 01.10.2019). Die Käufer waren sich dessen bewusst; im Tagblatt-Artikel vom 31.01. sicherten sie zu, „das Kino nicht vertreiben“ zu wollen.

Allerdings scheinen die Fronten zwischen Stefan Paul und den Eigentümern inzwischen verhärtet zu sein. Ende kommender Woche wird vor Gericht entschieden, ob Jahre zurückliegende Mietrückstände noch zu begleichen sind. Ein Urteil zu Ungunsten des Arsenals könnte Grundlage für eine Räumung sein. Ein solches Urteil hieße aber nicht zwingend, dass eine Fortführung des Mietverhältnisses mit einem neu ausgehandelten Vertrag ausgeschlossen wäre.


Aus Sicht der Tübinger Cineastinnen und Cineasten wäre es wünschenswert, dass das Arsenal an seinem jetzigen Standort weitermachen kann. Für sie ist es undenkbar, dass ihr geliebtes Kino, das seit 46 Jahren die Kulturlandschaft dieser Stadt mitprägt, einer Arztpraxis weichen soll. Zumal – so könnte man denken, eine Arztpraxis eigentlich überall einziehen kann – während für das Arsenal nicht so leicht Ersatz zu finden wäre. Das liegt zum einen am Ambiente des Gebäudes am Stadtgraben, zum anderen aber auch daran, dass in der Innenstadt schlichtweg kein Platz für einen neuen Kinosaal wäre. 

Wenn das Arsenal vor die Tür gesetzt wird, würde dies das baldige Aus für das Programmkino bedeuten: Das Atelier wird ohne das Arsenal nicht überleben können. Mit dem Café Haag verlöre ein wichtiger Veranstaltungsort für Events – auch jenseits der Leinwand. Nicht zuletzt wäre eine Schließung der beiden Kinos fatal für die vielfältige Film-Festival-Szene, die sich seit über 30 Jahren in der Stadt etabliert hat.


Da hier nun möglicherweise das privates Interesse der Hauseigentümer dem kulturellen Leben als Teil der Daseinsvorsorge im Weg steht, sehen wir die Stadt in der Pflicht, als Vermittler aufzutreten. Ob eine Lösung dann darin besteht, den Eigentümern andere Räume für die Arztpraxis anzubieten, sodass diese keine finanziellen Verluste hinnehmen müssen, oder ob die Stadt doch langfristig eine Alternative und neue Räume für das Programmkino sucht, sei vorerst einmal dahingestellt.

Sicher ist nur, dass Tübingen, wenn es nicht an Lebensqualität verlieren will, ein Programmkino braucht!